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| Unterrichtsforum | | Das DaF-Blogprojekt „Rosen für Herrn Zegna” | | Krisztián Fonyódi | Queen's University, Kingston, ON | Auf fortgeschrittenem Niveau im Deutschunterricht ist kreatives Schreiben eine altbewährte Methode um schriftliche Ausdrucksfähigkeiten zu fördern. Die Durchführung dieser Aufgabe ist bereits weitgehend didaktisiert und die Lernenden werden im Fremdsprachenunterricht meistens nicht mehr mit einem Aufsatztitel wie, beispielsweise, „Mein Sommerurlaub” oder „Die Rolle der Frau in Kanada” allein gelassen. Die Fachliteratur bietet eine breite Palette von pfiffigen Schreibanlässen, die die Phantasie der Lernenden anregen können. Viele dieser Ressourcen sind auch im Internet frei zugänglich. So findet man zum Beispiel auf der Internetseite DaF.in zahlreiche Arbeitsblätter zu diesem Thema. Das Internet ist jedoch nicht nur als Schatzgrube kreativer Ideen zu verwenden, sondern auch als das Medium des kreativen Schreibens selbst. Die heutzutage so beliebte und bereits weit verbreitete Internetapplikation Blog bietet sich als ideale Lösung für diese Aufgabenstellung an. | Download file | Im Wintersemester 2008 unterrichtete ich den GRMN 202 Kurs am Department of German Language and Literature der Queen´s University, ON. Im Rahmen dieses Kurses wurde das Blogprojekt: „Rosen für Herrn Zegna” durchgeführt. Es gelang uns durch den Einsatz des neuen Mediums dem traditionellen Unterrichtsteil „kreatives Schreiben” eine neue Form und Struktur zu geben, und so die Studenten fürs Schreiben weiter zu motivieren.
Laut meines Vorhabens sollte während des Semesters von den Studenten gemeinsam eine Fortsetzungsgeschichte geschrieben und im Internet veröffentlicht werden. Anstatt einer konkreten Themenvorgabe habe ich mit den Studenten nur das Genre der Geschichte (eine Tragödie) festgelegt und deren genaue Umsetzung den Studenten überlassen. Unsere Arbeitsstruktur sah folgendermaßen aus: Jemand fing die Geschichte an und erfand auch deren Titel „Rosen für Herrn Zegna”, dann schrieb ein anderer Lernende aus der Klasse jede Woche die Geschichte weiter. Die Studenten reichten ihre Beiträge per Email ein. Danach wurden sie von mir grob korrigiert und anschließend in unserem selbstgegründeten Blog veröffentlicht. Über die neuen Folgen der Geschichte wurden die Studenten per Email benachrichtigt und aufgefordert sie zu kommentieren. Dadurch ergab sich eine weitere Möglichkeit zur schriftlichen Kommunikation. Das Projekt wurde im regulären Unterricht regelmäßig besprochen und gemeinsam sowohl grammatikalisch als auch stilistisch weiter verbessert. Einige Studenten begeisterten uns in ihren Beiträgen auch mit den multimedialen Möglichkeiten des Blogs und illustrierten ihre Textbeiträge mit Bildern. Das Blogprojekt „Rosen für Herrn Zegna” ist bald ein Selbstläufer geworden und benötigte nach der Einrichtung wenig Koordination. Für das Schreiben des letzten Teils der Geschichte hatte ich mehrere Anmeldungen und die Klasse wählte dann gemeinsam aus mehreren Variationen den besten Text aus.
Wesentliches Merkmal dieses Blogprojekts war, dass es eine gemeinsame Leistung der Klasse darstellte und dadurch die Lernenden ebenso wie bei der Realisation eines Videoprojekts oder einer Theateraufführung aus dem sozialen Faktor der Gruppenarbeit profitierten und gleichzeitig ihre Individualität durch die eigenen zu Hause geschriebenen Beiträge zum Ausdruck bringen konnten.
Bei der Benotung der Beiträge wurden folgende Kriterien berücksichtigt:
| Grammatik: |
60% |
| Inhalt, Phantasie: |
10% |
| Narrative Struktur: |
30% |
Mit dem Kriterium „Narrative Struktur” wurde bewertet, inwieweit die Lernenden mit ihren Beiträgen der inneren Logik einer Fiktion entsprachen. Bei einer offensichtlichen Verwechslung von Figuren, Schauplätzen oder Requisiten oder unnötigen Wiederholungen wurden Prozente abgezogen. Die einzige Schwierigkeit der Bewertung der einzelnen Beiträge ergab sich aus der natürlichen Form der Fortsetzungsgeschichte selbst. Sie wurde nämlich mit der Zeit immer umfangreicher und je später die Lernenden mit ihrem Beitrag an der Reihe waren, desto mehr Vorarbeit d.h. genaues Durchlesen der bereits veröffentlichten Beiträge mussten sie leisten, um die maximalen 30% für „Narrative Struktur” zu erhalten.
Beim Blogprojekt „Rosen für Herrn Zegna” mussten sich die Lernenden beim Schreiben ihrer Beiträge allein auf ihre Phantasie verlassen und entscheiden wie die Geschichte weiter geht. Dies war selbstverständlich nicht für alle Teilnehmer ganz einfach. Dieses Problem wird im traditionellen Unterricht meistens mit dem Einsatz von Bildergeschichten gelöst. In diesem Fall müssen die Lernenden die Geschichte nicht ganz allein erfinden, sondern vorgegebene Bilder kommentieren. Gesteuerte Schreibarbeit ist im Blog durch den Einsatz der multimedialen Anwendungen dieser Internetapplikation vielseitig zu realisieren. Man kann nicht nur mit Bildern, sondern auch mit Video- oder Audiobeiträgen einen Leitfaden für eine Fortsetzungsgeschichte erstellen und die Lernenden durch hörbare und/oder sehbare Informationen bei ihren Schreibarbeiten unterstützen. Selbstverständlich ist das Blog nicht nur im Bereich der Förderung der schriftlichen Ausdrucksfähigkeit im DaF-Unterricht einsetzbar. Die Veröffentlichung von Ton- und Bildaufnahmen bietet weitere Möglichkeiten für interessante DaF-Projekte. Ein auf gemischten Medien basiertes Blogprojekt wird zurzeit von Maria Irchenhauser und ihrem GRMN 202 Kurs an der Queen´s University durchgeführt.
Krisztián Fonyódi ist im 4. Jahr seines Doktoratsstudiums im Department of German Language and Literature der Queen´s University und schreibt seine Dissertation über den „Handlungsbegriff im Sturm und Drang” bei Dr. David Pugh. In DaF-Didaktik spezialisierte er sich auf die produktive Anwendung unterschiedlicher Medien (Photographie, Video und Internet) im Fremdsprachenunterricht. |
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