
Im Rahmen des Didaktikseminars, das jedes Jahr an der Université de Montréal in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut Montréal stattfindet, habe ich mein Praktikum bei Kathrin Walti an der Université de Montréal gemacht.
Ich habe zweimal die Woche den Kurs ALL1952 Allemand intermédiaire 1 besucht und habe jedes Mal ungefähr 30 bis 60 Minuten unterrichtet. Als Praktikantin bei Frau Walti habe ich viel erfahren. Meine regelmäßigen Aufgaben waren die Vorbereitung von Unterrichtssequenzen und die Durchführung davon in der Klasse.
In jeder Stunde war ich zuständig dafür, ein neues Thema auszuarbeiten und ich habe dadurch erfahren, wie man verschiedene Grammatikregeln und Themen vorstellen kann. Unter anderen haben wir gesehen, wie man mit einem Dialog arbeitet und wie man Partner- oder Gruppenarbeit in die Unterrichtsstunde einarbeiten kann. Ich habe auch gelernt, dass man vor dem Unterricht über den Wortschatz nachdenken soll, um problematische Wörter zu erkennen und die Fragen der Studenten voraussehen zu können und Antowrten bereit zu haben.
Was ich beim Praktikum auch sehr gut fand, war, dass Frau Walti mir die Gelegenheit gegeben hat, mit einigen Themen, die sie schon angefangen hatte, fortzufahren, aber auch selber einige andere einzuleiten. Ich hatte auch die Möglichkeit, viele unterschiedliche Aktivitäten in und außerhalb der Klasse zu machen, denn man sollte nicht nur fähig sein, über Grammatik zu reden, sondern auch wissen, unter anderem, wie man am besten Spiele, Tests und Übungen vorbereitet und die Hausaufgaben korrigieren kann. Ich habe meine eigenen Übungen und Spiele vorbereitet und eine Zwischenprüfung umgeschrieben.
Des Weiteren habe ich jede Woche Texte korrigiert, die wir dann zusammen angeschaut haben, um die Korrekturen zu besprechen. Ich durfte Kopien der Texte behalten, damit ich von meinen Fehlern lernen konnte. Dabei habe ich gelernt, dass wir alles korrigieren sollen, ohne so rigoros zu sein, dass wir die Studenten entmutigen.
Um alle Pflichten einer Lehrerin kennenlernen zu können, habe ich auch die Gelegenheit gehabt, einen Minitest durchzuführen und zu korrigieren. Bevor die Studenten den Minitest machen, ist es wichtig, dass die Minitests umgekehrt auf den Tischen liegen bleiben, bis alle Studenten einen Test bekommen haben. Jede Übung soll dann mit Beispielen kurz erklärt werden, damit die Studenten alles richtig verstehen. Wenn die Studenten fertig sind, sollen sie ihre Minitests nicht abgeben, sondern umdrehen, und die, die schnell fertig sind, können ein Spiel machen, das sich auf der Rückseite befindet. Diese Idee fand ich sehr gut, denn das hält die Studenten davon ab, miteinander zu reden und dabei die anderen Studenten zu stören.
Eine der wichtigsten Dinge, die ich für den Unterricht gelernt habe, war das Aussehen meiner Unterrichtsvorbereitung. Je organisierter mein Lehrplan war, desto einfacher war er zu verstehen und ihm zu folgen. Frau Walti hat mir vorgeschlagen, meine Unterrichtsvorbereitung so vorzubereiten, dass ich links auf das Blatt jede einzelne Aktivität aufliste, die ich machen will. Auf diese Weise kann ich einen Blick auf das Blatt werfen und schnell wissen, was ich vorhabe. Außerdem ist es eine gute Idee, alles, was man an die Tafel schreiben will, auf dem Lehrplan anzulegen, damit die Informationen klar sind und die Tafel schön organisiert aussieht. Es ist auch sinnvoll, aufzuschreiben, welche Sachen man für die Unterrichtsstunde braucht (eine Folie, Fotokopien oder einen Ball für ein Spiel), damit man sie nicht vergisst. Noch ein einfacher aber hilfsreicher Tipp ist, meinen Lehrplan in einer anderen Farbe auszudrucken, damit er schnell zu finden ist.
Auch sehr wichtig ist die Einführung von neuen Übungen. Jede Übung soll nicht nur erklärt werden, sondern auch eingeführt und zu Ende geführt werden. Die Studenten sollen wissen, worum es in einer Aufgabe geht, was sie eigentlich dabei lernen oder üben sollen und auch warum. Jede Übung braucht deshalb einen Beginn und einen Schluss, damit alles klar strukturiert ist. Wenn die Studenten genau wissen, was sie machen sollen und warum sie es machen, werden sie besser arbeiten und mitarbeiten wollen. Beim Erklären ist es auch wichtig, zwei oder drei Beispiele zu geben, damit die Studenten selbstsicher werden und keine Zeit verlieren.
Auch kleine Sachen machen einen großen Unterschied. Anstatt die Studenten zu fragen, ob sie verstanden haben, kann man spezifische Fragen stellen, um sicher zu sein, dass die Studenten ein Thema oder eine Aufgabe richtig erfasst haben. Beim Antworten von Fragen sollen wir die Studenten auch bitten, ganze Sätze zu formulieren, und Aussprachefehler sollen immer korrigiert werden. Frau Walti hat noch etwas Wichtiges zum Thema 'Übungen' vorgeschlagen, und zwar Übungen mit absichtlichen Fehlern zu vermeiden, weil dies eventuell zur Verwirrung führen kann.
Der hilfreichste Teil des Praktikums war die Besprechung nach der Unterrichtssequenz. Frau Walti bot immer fördernde Kritik, wie ich mich als Lehrerin verbessern könnte. Sie vergewissert sich auch, die positiven Aspekte zu betonen. Sie meinte, ich sprach laut und deutlich, war lebhaft und habe ein gutes Verhältnis mit den Studenten gehabt. Sie hat mir viele wichtige Sachen beigebracht und ging es so an, dass ich mich wohl fühlte und darüber lachen konnte. Mein Lieblingsbeispiel: Ob man viel Ente zu Entedankfest isst; eine gültige Frage, wenn man das 'r' vergisst. Frau Walti musste lachen, aber sie hat mir auch das richtige Wort gelehrt und ich kann ganz ehrlich sagen, dass ich es nie vergessen werde! (Meiner Meinung nach klingt aber Entedankfest besser: Ich bedanke mich für Enten - sie sind so süß!) Von lustigen Kleinigkeiten bis zu wichtigeren Sachen, die ich klarer und effizienter machen konnte, habe ich sehr viel während meines Praktikums gelernt. Frau Walti ist eine wahnsinnig organisierte und erfahrene Lehrerin und ich freue mich, dass ich die Gelegenheit hatte, sie als Betreuerin zu haben. Ich würde gar nichts ändern. Vielen Dank, Frau Walti!! |