Mit einem Cocktail-Party-Einstiegsspiel haben die Seminarleiter Brigitte Oelschläger und Prof. Manfred Schewe gleich das Eis gebrochen für uns 18 ausländische DaF-Lehrerinnen und Lehrer aus Peru, Bolivien, Venzuela, dem Iran, Israel, Schweden, Norwegen, Frankreich, der Türkei, den USA und Kanada. Ich war überrascht und erfreut, in dieser Gruppe meine kanadische Kollegin Steffi Retzlaff wiederzusehen.
Wir waren in privaten Gastfamilien allein oder zu zweit in Berlin verstreut untergebracht und hatten so beste Gelegenheit, in diese spannende Hauptstadt einzutauchen. Zu Mittag wurden wir in diversen Berliner Restaurants kulinarisch verwöhnt und mit S-Bahn, Oberland- und der Museums-Kleinbahn gings an einem Sonntag in die Märkische Schweiz, wo wir das idyllisch am Schermützelsee gelegene Brecht-Weigelhaus in Buckow besichtigten. Bei einer dreistündigen Bootsfahrt auf der Spree gab es dann Geschichte, Politik und Architektur „vorort“.
Kulturell kamen wir in den Genuss, vier Theaterstücke, u.a. Felicia Zellers aktuelles Stück „Kaspar Häuser Meer“ und Bertolt Brechts „Dreigroschenoper“ in dem von Brecht gegründeten Berliner Ensemble.

Während der Aufführungen dachten wir darüber nach, welche Inszenierungstechniken in den jeweiligen Stücken benutzt wurden, worüber wir dann am nächsten Tag in der Gruppe diskutierten - nicht zuletzt mit dem Hintergedanken, in welchem Unterrichtskonzept man selbst die eine oder andere Inszenierungstechnik wohl anwenden könnte.
Der Fokus dieses Fortbildungsseminars war ohne Zweifel die Begegnung von Dramapädagogik und Fremdsprachenunterricht.
Wie das Theaterspielen zum Mittel für den Fremdsprachenerwerb, meist zur Verbessserung mündlicher Kommunikation eingesetzt wird, haben wir in diesem Seminar ausgiebig kennen gelernt. Nach anfänglichen Hemmungen als Theaterspielneuling öffnete auch ich mich – sicher Dank der harmonischen Gruppe und der professionellen Teamleitung—wie eine Blume (der Beobachtung meiner französischen Mitbewohnerin Jocelyne Davenne zufolge).
Auch meine Studenten bringen ja ganz unterschiedliche Erfahrungen und Ängste zum Theaterspielen im Unterricht mit und Sensibilität und Toleranz sind unbedingt angebracht.
In zwei elektrisch-aufgeladenen Wochen sind wir in die Dramapädagogik eingetaucht mit Aufwärmübungen (Energizers), mit „Guck mal!, Hä? und Iih! Igigitt!“- Interjektionsdialogen, Standbildern, Improvisationen, biografischem Darstellen, szenischer Arbeit an Sätzen, an unsere Lehrwerksmaterialien/Textbücher, an der Tele-Novela „Anna, Berlin“ und an Gerhart Hauptmanns „Biberpelz“.
Nun bin ich dabei, alles mitgebrachte Material zu ordnen und zu lesen, den Film, der von unseren „künstlerischen“ Darstellungen gedreht wurde, ein drittes Mal anzuschauen, und die neu entstandenen Freundschaften zu pflegen. Für das neue Semester arbeite ich daran, wie und wann ich im Rahmen meines DaF-Unterricht die Kennenlernspiele und das Darstellende Spiel einsetzen werde. Es war ein einmaliges Erlebnis und ich danke den Verantwortlichen des Goethe-Instituts für die Chance, an diesem Seminar teilnehmen zu können. Ich kann jeder DaF-Lehrerin und jedem DaF-Lehrer dieses Fortbildungsseminar wärmstens empfehlen: für den Unterricht und für sich selbst.
Weitere Informationen zum Fortbildungsprogramm des Goethe-Institut.
Marianne Eiselt
Department of Culture and Language Studies
University of New Brunswick
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